Freitag, 28. Oktober 2005                                                          Lauterbach - Region                                                                                                  Lauterbacher Anzeiger

     
 

Größtes Fest der hessischen Feuerwehren in Lauterbach

Vor 25 Jahren fand in der Kreisstadt der neunte Landesfeuerwehrtag statt - Große Ehre und Verpflichtung zugleich - Viel Lob von allen Seiten

 

 
 


Ein großer Festzug bewegte sich zum Abschluss
durch die Kreisstadt

LAUTERBACH. Im Jahr 1980 fand in Lauterbach das größte Fest der Feuerwehren des Landes Hessen statt. Verbunden damit war die 125-Jahr-Feier der Lauterbacher Freiwilligen Feuerwehr. Heuer feiert sie ihr 150-jähriges Bestehen. Im "Jahr der Feuerwehr" erinnert Kurt Habicht an den Landesfeuerwehrtag.
1974 hatte sich Lauterbach zum ersten Mal für die Ausrichtung des Landesfeuerwehrtages beworben, woraus aber nichts wurde. Nach Wiederholung der Bewerbung erhielt die Kreisstadt im Mai 1978 für 1980 den Zuschlag. Das war für die Lauterbacher Feuerwehr und die Stadt eine gute Nachricht. Zum einen feierte im gleichen Jahr die Feuerwehr ihr 125-jähriges Bestehen, als passende Randerscheinung kam hinzu, dass der neue Feuerwehrhauptstützpunkt eingeweiht werden konnte.
Das Land ließ sich dieses große Feuerwehrfest einiges kosten. Es stellte einen beachtlichen Zuschuss bereit. Auch die Stadt stellte eine Summe zur Verfügung. Der Werbeeffekt eines solchen Festes ist natürlich um ein Vielfaches mehr wert als der von der Stadt zu leistende finanzielle Beitrag. Die Übertragung der Ausrichtung des neunten hessischen Feuerwehrtages, die durch den hessischen Minister des Inneren und den Landesfeuerwehrverband erfolgte, war für Lauterbach und seine Bürger nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine Verpflichtung. Vom Innenministerium wurde gewünscht, dass dieses Fest möglichst "volksnah" gestaltet werden sollte. Dem Ministerium kam es auch darauf an, dass dieses Fest für den Besucher nicht zu kostspielig wird, vor allem, wenn der Besucher mit Familie kommt. Kurt Habicht erhielt den Auftrag, sich des Festes anzunehmen. Zusammen mit Stadtbrandinspektor Heinrich Krug ging er ans Werk. Zunächst machten sich beide auf den Weg nach Marburg zum achten hessischen

Feuerwehrtag, wo die Feuerwehren praktisch unter sich blieben. Es war klar, das musste und sollte in Lauterbach anders werden. Kurt Habicht und Heinrich Krug nahmen den Wunsch des Innenministeriums sehr wörtlich, denn schließlich erhielt das Fest das Motto "Bürger und Deine Feuerwehr!"
Kurt Habicht hatte sich Gedanken über die Organisation des Festes zu machen, einen Vorschlag zu unterbreiten und einen Organisationsplan zu erstellen. Bei einer Besprechung mit den Vertretern des Innenministeriums, der Landes-, Bezirks-, Kreis- und Stadtfeuerwehren stellte er seinen Plan vor. Der Festzug sah die Einbeziehung aller bürgerschaftlichen Kräfte vor. Es gab zunächst auf Seiten der Feuerwehr eine ablehnende Haltung. Diese Ausrichtung des Festzuges war vollkommen neu und für die Feuerwehr gewöhnungsbedürftig, war man doch bisher bei den Landesfeuerwehrtagen unter sich, das heißt der Festzug wurde nur von den Feuerwehren bestritten. Hier schritt Ministerialdirigent Walter Kayser aus dem Innenministerium ein und entschied, dass der vorgelegte Plan umgesetzt wurde. Schließlich sollte ja das Fest "volksnah" unter dem Motto "Bürger und Deine Feuerwehr", also ein gemeinsames Fest von Feuerwehr und Bürgern werden.
In den Festzug sollten Bürger, Vereine, Verbände, Handel, Handwerk und Industrie sowie die Feuerwehren des Landes, mit den Musikzügen integriert werden. Alle machten mit, die Bürgerschaft stand hinter diesem Fest. Festwagen wurden gestaltet, die Gruppen ließen sich etwas einfallen.
Es wurden sechs Festausschüsse berufen, die am 15. Mai 1979 ihre Arbeit aufnahmen. Zunächst der "Hauptfestausschuss". Er stand als "Dach" über den Gremien und hatte die letzte Entscheidung und Verantwortung. Vorsitzender war Bürgermeister Mudrack, stellvertretender Vorsitzender Erster Stadtrat Falk, Geschäftsführer war Kurt Habicht. Hinzu kamen Stadtbrandinspektor Heinrich Krug, Stadtverordnetenvorsteher, die Stadträte Dr. Denk, Dietz und Appel, Wehrführer Habermehl, von der Kreisverwaltung Heinrich Christe, Kreisbrandinspektor Heinrich Alt, Niky Ryngler (Leiter des Spielmannszuges) von der Polizei, Leitender Hauptkommissar Alfred Hahner, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, Otto Richtberg, die Stadtverordneten Fesch, Möller, Wurtinger,

Zitterbart, Rößling und Kurt Zinn, Schriftführer Reinhard Philipp und Rainer Vollmöller. Weitere Ausschüsse waren Finanzausschuss, Festzugausschuss, Ausschuss für Veranstaltungen, Quartierausschuss, Wettkampfausschuss und Bauausschuss.Es war ein anspruchsvolles Programm zu bewältigen: Festkommers aus Anlass des 125-jährigen Bestehens der Lauterbacher Feuerwehr in der Eichbergsporthalle, Ausstellung der Jugendfeuerwehr, Großgeräteschau und Funkschau, Festakt in der Eichbergsporthalle an dem Persönlichkeiten aus Staat, Politik, Feuerwehr, Organisationen sowie der Industrie teilnahmen, großer bunter Abend im 4 000 Personen fassenden Festzelt, Landesfeuerwehr-Leistungsübungen, Wertungsspiel der hessischen Spielmanns-Fanfaren- und Musikzüge, weiterer großer Unterhaltungsabend, großes Höhenfeuerwerk, Landesfeuerwehr-Wettkämpfe, Konzert im Festzelt "Von der Waterkant bis Tirol", Großkundgebung und Siegerehrung mit Innenminister Gries auf dem Adolf-Spieß-Sportplatz und das Großereignis "Festzug" und mit dem anschließenden Musikfest im Festzelt (hier war Stabführer Niky Ringler gefragt), Volksfest mit Tanz im Festzelt und großer Vergnügungspark.
Schließlich musste noch ein großer Empfang für 400 geladene Gäste mit einem riesigen Büfett in der Adolf-Spieß-Halle organisiert werden. In den Tagen des Festes befanden sich in der Kreisstadt 5 000 Feuerwehrleute aus ganz Hessen sowie 1 600 Musiker der Feuerwehr-Musikgruppen. Darunter Vertreter anderer Bundesländer, Gäste aus dem Ausland und Delegationen der Patenschaften der Kreisstadt.
Es waren 180 Musikgruppen einzuladen. 6 000 Wehrführer wurden angeschrieben. 1 000 Pkw-Parkplätze und 100 Omnibus-Stellplätze mussten gefunden werden. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Werbung für das Fest.
Die Presse schrieb damals zur Veranstaltung: "Wenn die Festbesucher, vor allem aber jene aus der Landeshauptstadt feststellen könnten, dass die Lauterbacher Organisationstalent besitzen, dann haben sich die vielen Überstunden gelohnt". "Echtes Volksfest mit der Feuerwehr im Mittelpunkt." "Toller Festzug, 5000 Menschen wirkten mit bei Bilderbuchwetter." "Großartiger Abschluss. Hohes Lob für die Organisatoren des neunten hessischen Feuerwehrtages."

 
 

Zu den Bildern von damals!

 
     

                                                                                                                                                                                      Quelle: Lauterbacher Anzeiger vom 28.10.2005