Lauterbacher Persönlichkeiten

Peter Grünberg - Nobelpreisträger

Oktober 2007:
Ein ehemaliger Schüler des Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums erhält den Physik-Nobelpreis

 

Sicherlich ging es fast allen Lauterbachern wie dem Rest der Welt: Jahrzehnte lang war er einem gänzlich unbekannt, am nächsten war er auf allen Titelblättern:
Der ehemalige Schüler des Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Professor Peter Grünberg.

Peter Grünberg ist es zu verdanken, dass auf kleinstem Raum immer mehr Daten gespeichert werden können. "Alle, die mit einem Laptop herumlaufen, sollten ihm dankbar sein", sagte Börje Johansson, Mitglied des Physik-Nobelkomitees.
Der neue Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg hat Entscheidendes für die Revolution der Computertechnik geleistet: Bereits in den 80er-Jahren entdeckte er den Riesenmagnetwiderstand (GMR). Der GMR-Effekt brachte den Durchbruch zu Giga-Byte-Festplatten. Dieser ermöglichte es, die Speicherkapazität von Computern zu erhöhen und den Lesevorgang zu beschleunigen.
 Ohne die Entdekung des GMR-Effekts wäre beispielsweise die Entwicklung der heutigen MP3-Player nicht möglich gewesen.

„Die Entwicklung von Computern in den letzten Jahren hat gezeigt, dass dies ein wichtiger Beitrag war“, sagte Grünberg dem schwedischen Fernsehsender TV4. Mit der Zunahme der Datenmenge müssen gespeicherte Informationen auf immer engeren Raum zusammenrücken. Die Daten können nur abgerufen werden, wenn sie von Magnetfeldsensoren gelesen werden. Die Menge an gespeicherter Information kann also wesentlich gesteigert werden, wenn die Sensoren verbessert werden. Genau das hat die Arbeit von Grünberg und des Franzosen Albert Fert, mit dem sich Grünberg den Preis teilt.

Grünberg bezeichnete die Verleihung des Nobelpreises als „große Ehre“. Eine Sprecherin des Forschungszentrums Jülich bei Aachen sagte am Dienstag, der Wissenschaftler sei gegen 11.35 Uhr in seinem Büro vom Nobelpreiskomitee angerufen worden. Obwohl er emeritiert ist, war er am Morgen in Erwartung der Entscheidung extra ins Büro gekommen: „Wir warten da ja irgendwie seit fünf Jahren drauf“, sagte die Sprecherin. „Herr Grünberg ist ein sehr ruhiger, bedächtiger Mensch, aber er freut sich sehr.“ Nach der Entgegennahme erster Glückwünsche habe sich der 68-Jährige zunächst zurückgezogen, um etwas zu essen und sich auszuruhen: „Er ist ja nicht mehr der Jüngste.“

Nach dem Telefonat stieß Grünberg mit seinen Kollegen an. „Wir hatten noch zwei Flaschen Sekt unserer Hausmarke von der letzten Feier im Kühlschrank“, sagte Schinarakis. „Champagner gab’s nicht.“ Grünberg dankte seinen Mitarbeitern und unterstrich, dass mit dem Preis eine „Teamleistung“ ausgezeichnet werde. Grünberg war seit Jahren für den Nobelpreis gehandelt worden, doch nach Angaben von Schinarakis hatte der Forscher selbst nicht so recht daran geglaubt: „Wer glaubt schon an den Nobelpreis?“

Grünberg wurde bereits vielfach international ausgezeichnet. 2004 ist er beim Forschungszentrum Jülich offiziell nach 32 Jahren in den Ruhestand gegangen. Sein Kollege Fert hielt damals den Festvortrag. Grünberg ist aber laut Forschungszentrum weiter wissenschaftlich tätig.
Peter Andreas Grünberg ist gebürtiger Tscheche. Er wurde am 18. Mai 1939 in Pilsen als Sohn eines Diplomingenieurs geboren. Die Familie siedelte nach dem Krieg nach Lauterbach in Hessen um. Dort besuchte Grünberg das Realgymnasium. Er begann sein Physikstudium in Frankfurt am Main, setzte es in Darmstadt fort und schloss es 1969 mit der Promotion ab.

Zunächst forschte er drei Jahre an der kanadischen Universität in Ottawa. 1972 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Festkörperforschung (IFF) zum Forschungszentrum Jülich. Dort untersuchte er „mikroskopische Sandwiche“, laut Forschungszentrum Systeme aus zwei magnetischen Eisenschichten, die von einer nur wenige Atomlagen dünnen, nichtmagnetischen Schicht aus Chrom getrennt werden. Seine Entdeckung des Riesenmagnetwiderstands ließ er 1988 patentieren. Sie fand ungewöhnlich schnell Einzug in die industrielle Anwendung. Der GMR-Effekt wird seit Mitte der 90er-Jahre in allen gängigen Festplatten genutzt, um magnetische Bits und Bytes auszulesen.

Grünberg wurde 1992 zum Außerplanmäßigen Professor an der Kölner Universität ernannt. Er wurde mit hohen Preisen geehrt, teilweise gemeinsam mit seinem Kollegen Fert, darunter der Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten und der Manfred-von-Ardenne-Preis für Angewandte Physik der Europäischen Forschungsgemeinschaft Dünne Schichten.

Die Europäische Kommission und das Europäische Patentamt zeichneten Grünberg im vergangenen Jahr als „Europäischen Erfinder des Jahres“ aus. In diesem Jahr hat Grünberg die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, den Japan-Preis sowie gemeinsam mit Fert den israelischen Wolf-Preis erhalten.

Grünbergs Frau Helma – das Paar ist seit 1966 verheiratet und hat drei Kinder – hat sich ebenfalls für die Wissenschaft engagiert. Sie war viele Jahre im Vorstand des Internationalen Clubs in Jülich und hatte von 1999 bis 2003 den Vorsitz. Sie habe besonders den Familien von Wissenschaftlern beim Einleben geholfen, kulturelle und informative Veranstaltungen organisiert, teilte das Forschungszentrum mit. So habe sie die Brücke zwischen Menschen verschiedener Kulturen geschlagen.




 

Hier ein Zeitungsausschnitt aus der Ausgabe von Fulda Aktuell vom 14.10.2007